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Freude am Neuen
Der Verein Kunstdünger und seine Besonderheiten
Als die Gäste der Theatervorstellung in einen schräg in die Tiefe führenden Gang geführt wurden, in dem früher die Bierfässer rollten, sie dort nach unten rutschten, dann auf Bierbänken sitzen mussten und ihnen suggeriert wurde, sie befänden sich in einem Flugzeug, als dieses notwassern musste und tatsächlich Wasser einströmte, da wurde klar: Kein übliches Theater! Kein übliches in dem Sinne, dass Schauspieler und Publikum streng getrennt sind. Diese Idee nämlich, Kunst jeden Genres mit den Gästen gemeinsam zu entdecken, zu gestalten und immer wieder auch kräftig zu feiern, wurde beibehalten. Aus dem lockeren Konzept im Jahre 1997 ging im Jahr 2001 „Kunstdünger“ hervor, der Verein, der sich mit zunächst nur acht Mitgliedern das Ziel setzte, Kultur zu fördern. Dies sollte insbesondere durch Festivals zu jeweils bestimmten Themen geschehen. Schwerpunktmäßig wollten die Mitglieder Theater, Tanz, bildende Kunst und Musik einbinden. „Wir wollen Neues anbieten, Dinge, die es in dem Maße hier in der Region noch nicht gab“, erklärt Regisseurin und Schauspielerin Christiane Ahlhelm, die dem Verein vorsteht. Wichtig sei ihnen dabei, dem Publikum Profikunst anzubieten.

Als Voraussetzung für die Festivals hatte die Arco-Brauerei ihr altes Sudhaus zur Verfügung gestellt und umgebaut. Dennoch muss von Kunstdünger viel in eigner Regie und auf ehrenamtlicher Schiene getan werden. Dabei geht es in der Regelnfröhlich zu, denn Emil und Flora, die beiden kleinen Kinder von Christiane Ahlhelm und Bildhauer TOBEL, den „Eltern auch von Kunstdünger, obwohl hier dringlich auch Andreas Simon genannt werden muss, der für Musik und Technik verantwortlich zeichnet, sowie die Kinder der anderen Mitglieder toben mit durch die Räume. So unkonventionell wie es angefangen hatte blieb es. Da spielten Alphörner neben Staubsaugern beim Blasmusikfestival, da tanzten die Flamencotänzerin und das Zeitgenössische Tanzensemble aus der Schweiz neben der Valleyer Plattlergruppe, am Ende tanzte das gesamt Publikum auf der Bühne. Ihre Profikunst mit jener der Laien zu verbinden und sich gegenseitig zu befruchten, das ist für christiane Ahlhelm ein wesentlicher Aspekt. Ein anderer ist der Spaß. Zum russischen Einmann-Theaterstück wurde Borschtsch serviert, einmal kochten die Mitglieder ein ganzes Festessen und dann beschlossen sie, nach einigen Einzelausstellungen gemeinsam ihre Kunst zu präsentieren. Dies wurde ein solcher Erfolg, dass die Ausstellung nach Worpswede geholt wurde. Damit kam ein Nord-Süd-Dialog in Gang, denn die Künstler aus Worpswede kommen in diesem Jahr nach Valley.

Besonderes Augenmerk hat Kunstdünger immer auf die Einbeziehung von Kindern und Jugendlichen gelegt. Eines ihrer ersten Festivals war ein Kindertheaterfestival. Und da geht es keinesfalls nur um stilles Sitzen und Zuschauen, sondern ums mitmachen. Mitmachen wollen auch die Valleyer Jugendlichen. Nachdem sie immer mal wieder neugierig im Sudhaus vorbeigeschaut und auch mitgeholfen hatten, entdeckten sie ihre eigenen kreativen Fähigkeiten. Christiane Ahlhelm unterstützte sie und schon bald präsentierten die Dreizehnjährigen als Jugendgruppe DALTING eigene Bühnenshows.

In Klausur begab man sich gemeinsam mit Choreographen und Tänzern aus München im vergangenen Jahr. Eine Woche lang erarbeiteten Künstler mit den jeweils eigenen Mitteln das Thema „Mauersegler“. Schriftsteller, Tänzer, bildende Künstler: Jeder suchte sich in dem Gebäude einen Platz, man arbeitete allein, verband sich, tauschte sich aus und stellte am Ende alles der Öffentlichkeit vor. Ähnlich interdiszipklinär soll im Herbst das Thema „Piraten“ angegangenen werden. Am vergangenen Wochenende gab es Comedy satt. Komik aus der Schweiz und Tragikomisches von Arthur Senkrecht aus München war dies, ergänzt von den zauberhaften Zeichnungen von Helga Fiebig. Nur ein Beispiel von vielen.

Monika Ziegler in der Süddeutschen Zeitung, 11. 02. 04, anlässlich der Vorstellung für den TASSILO-Preis

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